donum vitae EINBLICK
September 2026

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

neben dem umfassenden Beratungsangebot zu allen Fragen rund um Sexualität, Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt finden ratsuchende junge Eltern und Familien bei donum vitae auch ein breites Unterstützungsangebot für die Zeit nach der Geburt. In unserer Juni-Ausgabe haben wir Ihnen das „Mütterprojekt“ aus Brake vorgestellt – auch in der September-Ausgabe bleiben wir bei der Beratung und Begleitung von Eltern mit einem Baby. Die erste Zeit mit dem Kind bringt viele Veränderungen mit sich. Damit die neuen Herausforderungen nicht zur Überforderung werden, unterstützen die Beratungsfachkräfte von donum vitae auch nach der Geburt des Kindes im Rahmen der Frühen Hilfen (bis zum dritten Lebensjahr des Kindes): im persönlichen Beratungsgespräch, aber auch mit verschiedenen Gruppenangeboten, Workshops und Kursen.

In dieser Ausgabe des „donum vitae Einblick“ stellen die Kolleginnen aus der donum vitae-Beratungsstelle in Freiburg die Elternberatung und Begleitung nach Marte Meo vor. Marte Meo ist ein videobasiertes Beratungsangebot, das Eltern und Kinder über Bilder ermutigt, ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten optimal zu nutzen und auszubauen. Im Laufe der Jahre haben die Freiburger Kolleginnen ein umfangreiches Angebot der Eltern-Säuglings-Beratung etabliert: vom vorgeburtlichen Elternführerschein über Babygruppen und Schlafcoaching bis zum nachgeburtlichen Elternführerschein, den Familienkinderkrankenschwestern und Familien-Naturerlebnis-Kursen. Hier erfahren Sie mehr über das Projekt „Fit für´s Kind“.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit und wünschen eine gute Lektüre!


Herzliche Grüße aus der Bundesgeschäftsstelle

Annika Koch
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Elternberatung und Begleitung nach Marte Meo

In der donum vitae-Beratungsstelle in Freiburg erhalten Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern (bis zu drei Jahren) umfassende Beratung und Unterstützung im Rahmen der Frühen Hilfen. Zu den Unterstützungsangeboten für junge Eltern gehören u.a. „Fit für´s Kind“, der Einsatz von Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen sowie das Angebot „Schwangerschaft und Flucht/Migration“. Diese Maßnahmen werden von der Stadt Freiburg zum Teil über die Bundesstiftung Frühe Hilfen (NZFH) gefördert. Seit einigen Jahren arbeiten die Beraterinnen im Projekt „Fit fürs Kind“ mit einer besonderen Methode: Marte Meo, übersetzt: aus eigener Kraft. Zum Team der Beratungsstelle gehören die Diplom-Sozialarbeiterin Carola Basten, die Heilpädagogin Simone Kristen sowie die Sozialpädagoginnen Elena König und Nerea Ulrich. Alle Beraterinnen verfügen über verschiedene Zusatzqualifikationen und sind Marte Meo-Fachkräfte. Die vier stellen hier das Konzept Marte Meo vor und schildern den Einsatz dieser Elternberatung und Begleitung im Rahmen des Projekts „Fit für´s Kind“.

Marte Meo ist ein Modell zur Entwicklungsunterstützung von Babys, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Alltag, 1976 von Maria Aarts in Holland entwickelt und mittlerweile in mehr als dreißig Ländern sowohl präventiv als auch therapeutisch im Einsatz. Marte Meo wird als videobasiertes Beratungsangebot genutzt – es soll Eltern und Kinder über Bilder ermutigen, ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten zu nutzen und auszubauen, um Entwicklungsprozesse positiv voranzubringen und Herausforderungen zu überwinden. Die Idee dahinter: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Die Methode Marte Meo in den Frühen Hilfen
Anhand von kurzen Videosequenzen von Eltern und ihrem Kind in alltäglichen Lebenssituationen (z.B. Wickeln, Baden, Essen, Spielen) zeigt die individuelle Videoanalyse auf,

- wo sich Entwicklungschancen und Entwicklungsbedürfnisse für die Eltern/das Kind entdecken lassen,
- welches natürliche Unterstützungsverhalten durch die Eltern erforderlich ist, um eine blockierte Entwicklung zu aktivieren oder auch die Beziehungsqualität zu ihrem Kind zu stärken,
- wie das Wissen um Handlungsalternativen in täglichen Lebenssituationen integriert werden kann und neues Verhalten zu (im Bild) sichtbaren, erfolgreichen Veränderungen führt.

Die aufgenommenen Videos der Eltern mit ihrem Kind sprechen eine leicht verständliche Sprache – wir erleben immer wieder, wie sehr die Eltern bei der gemeinsamen Videoanalyse auch emotional berührt werden. In unseren Gesprächen über die verschiedenen Alltagssituationen und den beobachteten Umgang der Eltern mit ihrem Kind regen wir zum Nachdenken an und zeigen auch Möglichkeiten zur Veränderung auf. Die Eltern nehmen diese Anregungen sehr gut an und erleben selbst die positiven Effekte.

Ziele im Rahmen der Marte Meo-Prozessbegleitung:

- Befähigung der Eltern, eine positive Kommunikation und Beziehung zwischen sich und dem Kind dauerhaft sicherzustellen,
- Vermittlung von Fähigkeiten, an Problemstellungen nicht zu verzweifeln, sondern zu wachsen,
- Eltern mit besonderen Bedürfnissen durch eine einfache und verständliche Sprache konkrete Verhaltensanweisungen (Aufgabenpunkte) zu geben, die sie in die Lage versetzen, neue Erfahrungen zu machen und sie sich dadurch auch als kompetent erleben zu dürfen,
- Entwicklung von Elternkompetenzen und Feinfühligkeit als sicherer Schutz für ihre Kinder.

Marte Meo im Projekt „Fit für´s Kind“ bei donum vitae in Freiburg
Durch unsere Arbeit in der Schwangerschafts(konflikt)beratung bauen wir viele persönliche Kontakte zu Frauen und Paaren während der Schwangerschaft auf und unterstützen sie bei ihren finanziellen, sozialen und psychosozialen Anliegen. Es besteht also bereits eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den (werdenden) Eltern und uns Beraterinnen – dies ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Marte Meo. Unser Projekt „Fit für‘s Kind“ ist vor allem für vulnerable Zielgruppen gedacht, zum Beispiel minderjährige Eltern, psychisch belastete Eltern, Eltern mit Migrations- oder Fluchtgeschichte, Alleinerziehende mit Unterstützungsbedarf. Das Projekt bietet uns die Möglichkeit, die zukünftigen Eltern zu einem frühen Zeitpunkt – noch vor der Geburt eines Kindes – bei der Entwicklung elterlicher Fähigkeiten zu unterstützen. Viele Frauen und Paare sind offen und interessiert, häufig aber auch sehr verunsichert, da sie nicht wissen, was auf sie als Eltern zukommt. Die Schwangerschaft ist immer auch eine Zeit der Vorbereitung auf tiefgreifende Veränderungen im eigenen Leben – im Projekt „Fit für´s Kind“ setzen wir genau an dieser Stelle an und begleiten unsere Klient*innen. Das Angebot teilt sich in die vorgeburtliche Elternberatung/den Elternführerschein und die nachgeburtliche Eltern-Säuglings-Beratung. Die werdenden Eltern lernen Marte Meo in einer stressfreien Phase kennen – vor der Geburt, also bevor erste Schwierigkeiten im Umgang mit dem Kind auftreten können. Wir erleben immer wieder, wie gut es unseren Klient*innen tut, wenn sie bereits vor der Geburt des Kindes ihre elterlichen Fähigkeiten entwickeln konnten, sodass sie sich auf die Zeit mit dem Kind gut vorbereitet fühlen. Dadurch gewinnen sie viel Selbstvertrauen und können mit Freude an die neuen Aufgaben und auch mögliche Herausforderungen gehen. Gemeinsam mit den Müttern und Vätern können wir Marte Meo-Fachkräfte eine stabile Eltern-Kind-Bindung und damit auch eine gesunde seelische und körperliche Entwicklung beim Kind unterstützen.

Eltern und Kinder entwickeln im Prozess ein gutes Gefühl der Selbstwahrnehmung, ein positives Selbstbild und vor allem Selbstvertrauen. Sie spüren: Ich werde wahrgenommen. So erschließen sie sich ihre „innere Goldmine". In der Fachsprache wird in diesem Zusammenhang von sicherer Bindung und gestärkter Resilienz gesprochen. Resilienz ist die Grundlage, um mit belastenden Situationen umgehen zu können. Wenn Eltern und Kinder mehr mit sich selbst verbunden sind, dann können sie sich auf eigene Weise weiterentwickeln und sie bekommen ein Gefühl dafür, dass sie eine Persönlichkeit geworden sind ... und diese Erkenntnis macht glücklich.
 
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